15 | 11 | 2018
Wussten Sie schon?

daß die höchste jemals gemessene Temperatur 57,8° C betrug? Gemessen am 13.09.1922 in El Azizia, Libyen.

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Kachelmann

Kachelmann entlarvt die Wetterstationenlüge

kachelmann

Es war Zeit, eine Kolumne zu schreiben. Geweckt aus dem Sommerschlaf hat mich die dpa-Meldung mit dem Titel "Viel Nachwuchs bei Küstenvögeln in Schleswig-Holstein". Ein Titel, der irgendwie in sich stimmig ist. Das heitert auf, denn heute ist es Zeit, den unschuldigen Wetterbericht-Hörer und Internet-Nutzer auf ein paar Dreistigkeiten in der meteorologischen Welt aufmerksam zu machen: Kennen Sie die Wetterstationslüge?

Jaja, es wurde ungemütlich in den letzten Jahren für manche private Wetterdienste. "Der Kachelmann hat doch so viele Wetterstationen", fragt der interessierte Kunde, "haben Sie das auch"? Und viele Wetterdienste haben eben leider keine Wetterdaten (allenfalls die rund 170 Basisstationen des staatlichen Wetterdienstes), mit denen nicht viel Staat zu machen ist. Da gibt es kein Mainz, kein Wiesbaden, kein Amrum, kein Borkum und kein Hiddensee, kein Zittau und kein Bitburg, kein Bad Dürkheim und Bad Dürrheim. Und Wetterdaten sind teuer, sei es vom DWD gekauft oder mit einem eigenen Netz. Da der Kunde aber gerne lokale Wetterinformationen möchte, wird landauf, landab Wetter erfunden. Oder, wie ertappte Sender gerne sagen, "berechnet". Wenn Sie also irgendwo das Wetter aus Hildesheim im Radio hören: frei erfunden. Wetter in Lüneburg: frei erfunden. Die Beispiele sind ohne Zahl, schätzungsweise mehr als die Hälfte der in deutschen Radiosendern gemeldeten Wetterwerte sind von unseriösen Wetterdiensten aus den Fingern gesaugt. Da wundert sich der geneigte Hörer öfter, warum das, was er vorm Fenster sieht, nicht mit den gemeldeten Werten übereinstimmt. Und ist dankbar, dass nicht auch schon Nachrichten erfunden werden, oder berechnet - nach dem Motto: "An der Kreuzung müsste es eigentlich mal wieder geknallt haben, lass uns das mal behaupten, merkt ja eh keiner, wenn es nicht stimmt."

Verrückt, dass sogar beamtete Wetterfrösche vor Wetterstationslügen nicht zurückschrecken, konnte man doch unlängst lesen: "Deutschlandwetter im Juli 2005 - Monat Juli war wärmer und feuchter als üblich. Offenbach, 29. Juli 2005 – Der Juli des Jahres 2005 war in Deutschland überwiegend wärmer als normal. Auch die durchschnittliche Regenmenge wurde deutschlandweit übertroffen, die Sonne schien dagegen etwas seltener als im langjährigen Mittel. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner gut 3.000 Messstationen."

So weit, so irreführend. Geschenkt, dass die Bilanz über den Juli schon am 29. des Monats veröffentlicht wird, also durch den Redaktionsschluss am 28. über zehn Prozent des Monates gar nicht erst in die Bilanz einfließen dürfen, den letzten beißen halt die Hunde. Aber 3000 Wetterstationen? Subtil, das mit den ersten Auswertungen. Denn auch die letzten Auswertungen werden gerade mal mit ein paar Hundert Stationen gemacht, alle anderen messen gar keine Temperaturen und schon gar keine Sonnenscheindauer. Aber Ehrlichkeit steht nicht im Beamtenrecht, und so wiederhole ich gerne fürs Protokoll: Das dichteste Messnetz von Wetterstationen, die jede Stunde online verfügbar nach internationaler Norm Temperatur auf zwei Höhen, Feuchte, Wind, Sonne und Niederschlagsmenge in stündlicher Auflösung messen, hat in Deutschland Meteomedia mit über 400 Einheiten.

Und wo schon der staatliche Wetterdienst selbst schummelt, kann wetter.com nicht weit sein. Schauen Sie sich doch mal www.heilbronn.de an. Ja, da auf der linken Seite steht "aktuell", dann eine Zeit, ein Symbol und eine Temperatur, jede Stunde neu. Und jeder denkt sich, das wird wohl das Wetter in Heilbronn sein, steht ja auch drüber.

Denkste, auch da sind die Wetterstationslügner am Werk. Der DWD (und damit wetter.com) hat keine Wetterstation in Heilbronn. Die Werte aus "Heilbronn" stammen eigentlich vom Stuttgarter Flughafen, viele viele Kilometer entfernt und auch noch 250 Meter höher gelegen als Heilbronn. Da ist es oft drei, vier und noch mehr Grad kälter als in Heilbronn. Woher wir das wissen? Wir haben gleich zwei Wetterstationen in Heilbronn. Vielleicht sollten wir dem Webmaster der Stadt mal einen Tipp geben. Von T-Online gibt's die Icons mit den echten Werten für lau.

Herzlich
Jörg Kachelmann

 

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Jörg Kachelmann und T-Online.

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